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Mutter werden: Eigene Bedürfnisse vs. Selbstaufgabe

Gebe ich mich auf, wenn ich Mama werde? Ich habe dazu einen sehr spannenden Artikel von Teresa Bücker gelesen, und möchte dir als vielleicht bald werdende Mama dazu ein paar Gedanken mit auf den Weg geben. Spoileralarm: die kurze und harte Antwort auf die etwas provokante Frage in der Überschrift lautet meines Erachtens: ja!

Das hier soll kein Horrorartikel über die Dramatik des Elterndaseins werden, ganz im Gegenteil. Ich finde es aber sowohl für sich selbst als auch für das Kind enorm wichtig, sich auf seine Aufgabe als Mutter wirklich einlassen zu können. Und an dieser Stelle kommt die Selbstaufgabe ins Spiel: Der Schlüssel ist für mich erst dann Mutter zu werden, wenn ich bereit dazu bin, mein bisheriges Ich ein Stück weit aufzugeben und in meiner neuen Rolle wieder zu entdecken.

Zuerst die eigenen Bedürfnisse stillen

Ich würde niemandem raten zu früh Mutter zu werden. Ich denke, dass ansonsten die Gefahr deutlich höher ist, im Nachhinein das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Wenn man sich aber Zeit lässt, seine Wünsche und Pläne in Ruhe zu verwirklichen und zu durchleben, geht man entspannter in eine neue Lebensphase über. In meinem Fall hieß das: erst einmal studieren, das Arbeitsleben kennenlernen, nach Lust und Laune Tage und Nächte mit Freunden verbringen, Reisen und die Welt sehen, verheiratet sein…all das ohne mich um einen anderen Menschen kümmern oder Rücksicht nehmen zu müssen. Einfach das tun, wonach mir der Sinn steht.

Und erst nachdem ich meine Bedürfnisse gestillt und in Ruhe ausgekostet hatte, war ich bereit für Kinder. Heute ist es ok für mich am Freitagabend auf dem Sofa zu sitzen anstatt feiern zu gehen. All meinen Freunden geht es genauso! Wir teilen inzwischen einen neuen Lebensabschnitt miteinander und treffen uns eher sonntags zum Playdate als abends auf der Piste. Die Bedürfnisse haben sich auf ganz natürliche Weise verändert, ohne dass ich mich dazu zwingen musste.

Natürlich findet jede Mutter und jedes Paar seinen eigenen Zeitpunkt und manchmal geschieht es einfach und das ist völlig in Ordnung und deswegen nicht weniger schön. Meines Erachtens kann man nur besser loslassen, wenn man seine „Ego-Zeit“ wirklich ausgelebt hat.

Veränderte Bedürfnisse: Ein neuer Lebensmittelpunkt

Natürlich habe ich als Mensch und Frau nach wie vor persönliche Bedürfnisse und Wünsche, denen ich nachgehe. Ich möchte z.B. alleine mit meinen Mädels ausgehen, in Ruhe frühstücken, verreisen und vieles mehr. Aber es ist eben nicht länger mein Alltag, sondern es sind kleine Inseln in diesem neuen Alltag geworden. Inzwischen ist es in Ordnung, dass sich meine Welt nicht länger nur um mich dreht, sondern zu 90 % um meine Kinder. Ich kann diesen neuen Mittelpunkt gut annehmen, weil ich eben nicht das Gefühl habe, dass da draußen das Leben an mir vorbeizieht.

Neue (unerwartete) Seiten an sich entdecken

Ich glaube daran, dass ich nur mit einer gewissen Bereitschaft zur Selbstaufgabe die Hingabe aufbringe, die Kinder verdienen. Das alte egozentrische Ich geht (zumindest bei den meisten Frauen) mit der Geburt verloren, dafür entstehen aber auch ungeahnte Kräfte und ein neues Selbstverständnis. Da sich meine Prioritäten mit dem Muttersein von ganz alleine verändert haben, ist es mir inzwischen ein Bedürfnis, meinen Kindern diesen Raum in meinem Leben zu geben. Ich war früher nie der klassische Mama-Typ, aber seit ich Kinder habe, mutiere ich mehr und mehr zum verantwortungsbewussten Mamatier. Meine Gedanken kreisen ganz von selbst einen Großteil des Tages darum, ob es meinen Kindern gut geht, sie sich gut entwickeln, und ob wir es als Eltern wohl richtig machen. So lasse ich viel für meine Kinder stehen und liegen, bis ich wirklich mal einen Moment für mich brauche.

Selbstaufgabe bis Ultimo?

Natürlich wandert man als Mama immer auf einem schmalen Grat. Die alltäglichen To Dos und der ganz normale Wahnsinn fressen unsere Zeit, Energie und Nerven. Deswegen müssen wir sehr sensibel damit umgehen, bis zu welchem Maß wir unseren Kindern diese Hauptrolle in unserem Leben zugestehen können und ab welchem Punkt wir uns Auszeiten nehmen müssen. Jede Mama hat dabei ihre eigene Geheimwaffe, die sie der Selbstaufgabe gegenüberstellt, um nicht im Burnout oder schlicht in der Unzufriedenheit zu versinken. Tipps kannst du dir z.B. in meinem Artikel „4 unschlagbare Hacks für einen entspannten Alltag“ holen. In jedem Fall sind Aufmerksamkeit und Achtsamkeit für die eigenen Bedürfnisse an dieser Stelle enorm wichtig: Kann und will ich gerade noch alles für meine Kinder geben, oder ist es an der Zeit, auf die Ego-Insel zu flüchten?

Mein Ehemann ist mir in dieser Situation das beste Maß, indem er mich immer wieder auf die Probe stellt: er hakt nach, ob ich meine Prioritäten richtig setze, ob ich im Alltag das tue, was mir guttut oder mich gerade wieder einmal in „ich muss doch aber…“ verliere.

Fazit: bald entsteht eine neue Lücke, die gefüllt werden will

Denk daran: So wie jede andere Phase deines Lebens, ist auch die Zeit mit Kleinkindern begrenzt. Früher als man denkt, hinterlassen Kinder wiederum eine Lücke im Leben, die ausgefüllt werden möchte. Ja; eine Zeitlang dreht sich ALLES um sie und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Aber relativ schnell dreht sich ihre Welt nicht mehr um DICH, sondern um sich selbst. Dann ist es wieder Zeit für dich, den Faden neu aufzugreifen.

Das soll nicht heißen, dass man in dieser heißen Kleinkindphase nicht weiter man selbst sein darf. Dieser Artikel soll dir vielmehr ein Denkanstoß sein, es nicht zu schwer zu nehmen, wenn du und deine Bedürfnisse mal wieder hintenanstehen. Sorge hin und wieder für Ausgleich, bei dem du Kraft und Motivation tankst und widme dich dann wieder deiner Mammutaufgabe! Du kannst stolz auf dich sein und deine Kinder werden es dir um ein Vielfaches zurückzahlen.

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