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Die K.O. Sätze der Persönlichkeitsentwicklung

Social Media ist in vielerlei Hinsicht Fluch und Segen zugleich. Jeder kann seine Weisheit mit der Welt teilen aber es kann eben auch jeder seine Weisheit mit der Welt teilen. Du weißt was ich meine…Und so folge ich vielen inspirierenden Menschen von denen ich schon viel gelernt habe (wie z.B. Tobi Beck, Muriel Boettger, Ulrike Bossmann oder Christian Bischoff), stolpere aber auch immer wieder über leere Floskeln, die mir zunehmend auf die Nerven gehen. Und dann gibt es da auch noch die vermeintlich beliebten Sätze der Persönlichkeitsentwicklung, die ich immer blöd fand, inzwischen aber festgestellt habe, dass tatsächlich viel Wahres darin steckt! Heute möchte ich 3 dieser Sprüche einmal auf Herz und Nieren überprüfen und bin gespannt, zu erfahren, was sie in dir auslösen.

Beliebter Satz Nr. 1:

„Man ist so wie die 5 Menschen, mit denen man sich am meisten umgibt“

Es gibt wohl kaum einen Podcast-Host im Bereich persönliche Weiterentwicklung und erfüllte, erfolgreiche Lebensführung, der auf diesen einen Satz verzichtet hat. Aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet besagt er, dass Menschen, die sich physisch nah sind, eher dazu geneigt sind, Sympathie, Freundschaft und gegenseitige Nähe aufzubauen. Als natürlicher, evolutionsbedingter Effekt dessen, spiegeln wir das Verhalten genau dieser Personen in unserem engsten Umfeld (und können das auch nicht wirklich verhindern).

Ich habe bis vor einiger Zeit eigentlich nicht wirklich hinterfragt, mit wem ich meine Zeit verbringe. Einige Menschen in meinem Umfeld kommen aus lang bestehenden Freundschaften, manches ergibt sich beruflich, seit den Kindern bestimmen Playdates den Alltag.

Und gerade mit dem Mamasein ging mir langsam ein Licht auf. Da schlichen sich auf einmal Menschen in mein Leben, die mich mit einem nie enden wollenden Strom an Gründen versorgten, warum man es als Mama so fürchterlich schwer hat: die Kinder schlafen einfach nicht, schon wieder eine Trotzphase, ich kann es nie recht machen…irgendwann habe ich vor bestimmten Playdates Wetten mit meinem Mann abgeschlossen, dass unter Garantie wieder der Satz fallen würde: „also Hänschen schubt gerade, es ist ganz schlimm“. Ich glaube Hänschen wird mit Anfang 20 noch mitten in einem richtig anstrengenden Entwicklungsschub stecken, wenn man seine Mama fragt!

Gut, dass es da draußen auch ebenso viele Menschen gibt, die mich mit ihrer positiven, energiegeladenen Art anstecken und mich inspirieren und motivieren, die Mama zu sein, die ich sein möchte. Daher bin ich dazu übergegangen, meine Zeit gezielter mit diesen Menschen zu verbringen und die anderen nur in homöopathischen Dosen in mein Leben zu lassen. Ich merke inzwischen sehr gut, wann ich genug Energie für die Jammerfraktion habe und wann ich selbst besser einen sonnigstrahlenden Tritt in den Allerwertesten bekomme!

Probier es doch einfach mal aus – in meinem Blogartikel „Mama, nicht jammern! 4 unschlagbare Hacks für einen entspannten Alltag“ findest du eine einfache Übung zum sogenannten Social Proximity Effekt.

Beliebter Satz Nr. 2:

„Es fühlt sich nicht wie Arbeit an“

Es kam mir immer ein bisschen wie Zweckoptimismus oder geschickt platziertes Marketing vor, wenn jemand sagte, er könne gar nicht genug kriegen von seiner Arbeit und den Montag kaum erwarten.

Ich war selbst in meinen bisherigen Jobs nie unzufrieden (und wenn doch habe ich ihn gewechselt), aber für mich war es letzten Endes immer Mittel zum Zweck: ich gehe in erster Linie arbeiten um Geld zu verdienen und suche mir dabei im Idealfall einen Job, den ich interessant finde und wo ich mich weiterentwickeln kann. Ich war zufrieden, aber habe es nie als erfüllend im engeren Sinne betrachtet. Hätte ich mir aussuchen können, ob Arbeit oder Urlaub, wäre ich montags lieber zum nächsten Flughafen gefahren als ins Büro!

Als Mama ist es zudem nochmal ein gutes Stück anstrengender, die Anforderungen von Job, Privat- und Familienleben zu koordinieren. So ist man nie zu 100 % bei einer Sache, sondern jongliert im Kopf bereits die nächsten Termine und To Dos, die der Tag noch mit sich bringt, nachdem man aus dem Büro sprintet, um noch rechtzeitig bei der Kita zu sein.

Und so habe ich nach Kind Nr. 2 und spätestens seit Nr. 3 sich angekündigt hat, beschlossen daran etwas zu ändern und mir meine Selbstbestimmung wieder zurückzuerobern. Seit ich die Personalistas ins Leben gerufen habe, weiß ich tatsächlich was es heißt, eine Tätigkeit nicht als Arbeit zu empfinden (und nein, das ist kein Marketing-Satz!). Letzten Endes kann man diesen Ausspruch wohl nur nachempfinden, wenn man für sich eine Arbeit findet, die einen in den Flow-Zustand versetzt. Man vergisst die Zeit, steht nicht einmal für ein Glas Wasser auf, obwohl man durstig ist, und klappt den Laptop nach 4-5 Stunden nur widerwillig zu, wenn es Zeit ist, die Kinder abzuholen.

Flow ist das Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit, die persönlich herausfordernd ist und dennoch optimal gelingt (Mihaly Csikszentmihályi). Wichtiges Merkmal: wir werden gefordert! Wir sind also glücklich, motiviert und selbstwirksam, wenn wir etwas leisten, nicht wenn wir passiv konsumieren und uns entspannen. Während wir im Flow sind, nutzen wir nur 10 % unseres Gehirns, der Rest ist sozusagen offline, um unsere Konzentration und Aufmerksamkeit zu steigern. Genau aus diesem Grund ist der Flow so ein positives Gefühl: Probleme und Sorgen des Alltags werden ausgeblendet. Flow setzt in unserem Gehirn Dopamin und Endorphine frei. Wenn dich das Thema näher interessiert, empfehle ich dir zum Einstieg diesen TED-Talk: https://www.ted.com/talks/mihaly_csikszentmihalyi_flow_the_secret_to_happiness?language=de.

Flow kann natürlich nicht nur durch selbständige Arbeit hervorgerufen werden. Es muss noch nicht mal ein Job sein, bei dem du Geld verdienst. Vielleicht ist auch der Alltag mit deinen Kindern genau das, was dir dieses Gefühl gibt. In jedem Fall lohnt es sich, diesen einen Job für sich zu finden, der das Wort „Arbeit“ hinfällig macht und bei dem du jeden Tag wieder von Neuem motiviert bist und Freude daran hast, weiterzumachen.

Spoiler: wenn du ein Scanner-Typ bist wie ich, wird das auch nicht dein Leben lang dieselbe Sache sein, sondern sich immer wieder verändern und dich dazu bewegen, dich erneut auf die Suche zu machen. Flow kann sich also hinter vielen Türen deines Lebens verstecken. Go check it out!

Beliebter Satz Nr. 3:

„Du bist nicht deine Gedanken“

Dieser Satz stand auf meiner Bullshit-Hitlist der Persönlichkeitsentwicklung wirklich lange auf Platz 1. Ich konnte einfach überhaupt nichts damit anfangen. Durch die Ausbildung in positiver Psychologie durfte ich aber lernen, wie Gedanken eigentlich wirklich entstehen und dass wir uns sehr wohl davon distanzieren können.

Es ist so: Unser Gehirn reagiert auf einen äußeren Reiz, der an sich wertfrei ist. Dieser stellt den Auslöser für eine Bewertung dar, die wir in der Situation vornehmen. Und erst daraus entsteht als Konsequenz ein Gefühl, positiv oder negativ, nach dem wir dann handeln. Es handelt sich also um einen Vorgang, den wir (zumeist unbewusst) selbst steuern und demnach auch positiv beeinflussen können. Wir können unsere Reaktion selbst wählen! Das ist natürlich leichter gesagt als getan und bedarf einiges an Übung. Aber im ersten Schritt ist es hilfreich, sich selbst darin zu trainieren, den Zwischenraum zwischen äußerem Reiz und eigener Reaktion zu vergrößern. Bevor du also die Situation bewertest, erst einmal sacken lassen und tief durchatmen! Empfiehlt sich im Übrigen besonders bei den klassischen Triggerknöpfen, die unsere Kinder so unbeirrbar drücken können.

Ein Zitat ist mir dazu im Gedächtnis geblieben: Wärst du deine Gedanken, wärst du jede Sekunde jemand anderes.  Mach dir das einfach mal bewusst, das ist der wichtigste Schritt!

Mein Fazit für dich: es lohnt sich, immer wiederkehrende Phrasen nicht für alle Zeiten als blödes Geschwätz aus seinem Speicher zu verbannen, sondern einmal auf den Zahn zu fühlen, was sich wohl dahinter verbergen könnte. So viele Menschen können nicht irren, oder? Aber natürlich gibt es auch diejenigen Sätze im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, die ich nach wie vor für sinnbefreites Blabla halte. Mein persönliches Highlight ist „komm in deine Kraft“. Aber wer weiß, vielleicht bin ich auf meiner Reise nur noch nicht bei der wahren Bedeutung angekommen?! I’ll keep you posted 😉

Zum Schluss verrate mir doch bitte noch deine kleine Bullshit-Hitliste in den Kommentaren!

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