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Wer ist der Delfin bei Tobias Beck? Ein Einstieg ins Thema Persönlichkeitsentwicklung

Wenn du dich ein wenig mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt hast, bist du höchstwahrscheinlich nicht an Tobias Beck vorbeigekommen. Er ist im deutschsprachigen Raum einer der ganz Großen seines Gebiets und begeistert jährlich Tausende mit seinen Workshops und Vorträgen. Aber was steckt eigentlich hinter seinem Erfolg? Und was hat es mit seinem Tiermodell auf sich?

In diesem Blogartikel möchte ich dir das Thema Persönlichkeitsentwicklung ein wenig näherbringen und dir zeigen, warum es überhaupt so spannend ist, sich damit zu befassen.

Eines der Ziele der Personalistas ist es, dich in deiner persönlichen Weiterentwicklung zu unterstützen und zu begleiten. Zugegeben, die Auseinandersetzung mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Emotionen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten ist nicht immer einfach oder angenehm. Warum dann die Mühe? Weil wir Wachstum brauchen, um wirklich glücklich zu sein. Der Mensch ist nicht für Stillstand gemacht, sondern blüht erst richtig auf, wenn er auch mit gewissen Herausforderungen konfrontiert ist und hin und wieder seine Komfortzone verlässt. Darüber hinaus ist erwiesen, dass wir uns bis ins hohe Alter ohnehin weiterentwickeln und verändern. Die Frage ist also nur, ob du die Veränderung dem Zufall überlässt, oder sie bewusst in die von dir gewünschte Richtung steuerst.

Gehen wir also „for argument‘s sake“ mal davon aus, dass persönliche Weiterentwicklung ein erstrebenswertes Ziel ist. Daraus ergeben sich bestimmte Voraussetzungen:

1.Kannst du dich verändern?

Erstens setzt Weiterentwicklung natürlich voraus, dass eine Persönlichkeit grundsätzlich veränderbar ist.

Deine Persönlichkeit ist die Gesamtheit deiner individuellen Verhaltensweisen, Gefühlen und Wahrnehmung, in denen du dich von anderen Menschen unterscheidest. Dabei tragen wir bestimmte angeborene Merkmale in uns, sind unserer Persönlichkeit aber dennoch nicht „ausgeliefert“, sondern passen uns immer wieder an persönliche oder soziokulturelle Gegebenheiten an.

Man sagt, dass ca. 40 – 50 % der Persönlichkeit eines Menschen genetisch vorbedingt sind. Dies stellt sozusagen unsere biologische Basis dar, unsere „primitivsten“ Reaktionen gehen neurobiologisch darauf zurück. Allerdings zeigen neue Studien, dass wir durch unser Verhalten sogar unsere Gene beeinflussen können, wir haben also ein gewisses Maß an Mitbestimmung darüber, inwiefern wir unsere vererbten Anlagen auch anwenden.

Hinzu kommen all die Gewohnheiten, die uns im Laufe unseres Lebens anerzogen wurden und die wir durch unsere Beziehungen gelernt haben. Der Einfluss eines positiven oder negativen Umfelds „reagiert“ dann mit den eigenen Grundanlagen sowie Stärken und Schwächen. Unsere Persönlichkeit wird geformt, verändert und idealerweise durch Erfahrungen, die wir machen und aus denen wir lernen, verfeinert.

Und dann wären da noch die ca. 20 %, die richtig spannend sind: nämlich die, die du selbst steuerst. Hier bist du gefragt und es schließt sich der Kreis: Persönlichkeitsentwicklung ist sozusagen die Fahrschule für diese kleinen, aber richtig feinen 20 %. Ohne die landest du im übertragenen Sinne früher oder später im Graben.

2. Weißt du, wer du bist?

Zweitens, dass du weißt, wo du überhaupt stehst und was du ggf. verändern möchtest.

Ich muss mich selbst gut kennen und einschätzen, um zu wissen, was es bedarf, um glücklich und zufrieden sein zu können. Ein introvertierter Mensch beispielsweise hat ganz andere Voraussetzungen und Bedürfnisse als ein extrovertierter Mensch. Nur wenn wir uns selbst gut kennen, können wir unser Leben und unser Umfeld entsprechend einrichten. Die Frage ist also worauf ich meine Energie und Aufmerksamkeit konzentriere, um der Mensch zu werden, der ich sein möchte.

Für mich war es zum Beispiel eine spannende Erkenntnis, dass ich eine Scannerpersönlichkeit bin. Das Verhalten, wie ein kleines Eichhörnchen hier und dorthin zu flitzen und überall mal reinzuschnuppern, liegt einfach in meiner Natur. Ich habe lange mit mir gehadert, warum ich denn so häufig meine Interessen verlagere und es nie lange in einem Job ausgehalten habe. Bis ich über mich lernen konnte, dass das Erstrebenswerte für mich das Neue per se ist und nicht die Tatsache etwas zu Ende zu führen.

Solche Erkenntnisse hat eigentlich niemand von innen heraus. Es braucht immer eine Form von Reflektion und Feedback, damit wir uns selbst im richtigen Licht sehen können. Wir haben alle ein bestimmtes Selbstbild, fragen uns als soziale Wesen aber immer ebenso, wie wir wohl von unserer Umwelt wahrgenommen werden.

Wie finde ich also am besten heraus, wer ich wirklich bin? Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Tests, um diesbezüglich Klarheit zu gewinnen.

Schauen wir zum Einstieg nochmal bei Tobi Beck rein: Nach seinem Tiermodell bin ich eine Mischung aus 50 % Delfin, 25 % Eule, 18 % Hai und 7 % Wal. Sicher hast du schon von seinen 4 verschiedene Menschentypen gehört. Ich fasse sie hier noch einmal kurz für dich zusammen: 

Der Delfin sieht das Leben als ein großes Abenteuer, liebt Herausforderungen und Aufgaben, bei denen er sich beweisen kann, macht gern Sport, ist kommunikativ, unkonventionell und begeisterungsfähig. Er motiviert andere, mehr zu leisten, liebt neue Ideen und innovative Methoden, hat es schwer sich auf eine Sache zu konzentrieren, ist sensibel und intuitiv, ausgelassen, fleißig, schnell zu begeistern und risikofreudig…na, konntest du den Scanner herauslesen?

Die Eule macht Pläne und organisiert gerne. Wichtige Werte sind für sie Perfektion, Fachwissen, und Disziplin (zumindest bei den beiden letzteren setze ich mein Häkchen klar dahinter! Und gerade das Fachwissen ist mir auch bei den Personalistas ein besonderes Anliegen). Sie ist nicht sehr risikofreudig, handelt wohlüberlegt, ist korrekt, sachlich und hinterfragt alles und jeden.

Der Hai ist ein Player und steht auf Macht und Status. Er ist fleißig, ziel- und erfolgsorientiert, stellt sich und seine Leistungen gerne zur Schau, kann durchgreifen und schreckt vor nichts zurück. Er ist ein Einzelkämpfer mit ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Wenn das auch auf den ersten Blick nicht sehr sympathisch klingt, muss ich doch gestehen, dass ich nicht der größte Teamplayer bin und zu meinen Zeiten als Führungskraft sicher eher mal für klare Worte war.

Der Wal ist ein Herdentier. Er will immer helfen, ist aufopfernd, ruhig, ausgleichend, unauffällig, bescheiden, verantwortungsbewusst, liebevoll, harmoniebedürftig und ist grundsätzlich darum bemüht, anderen zur Seite zu stehen und niemals zu stören.

Findest du dich in diesen Beschreibungen schon wieder? Let’s dig a little deeper: Im nächsten Schritt möchte ich dir gerne ein paar Tests vorstellen, die sehr bekannt und wissenschaftlich gut fundiert sind. So siehst du selbst worauf das Tiermodell mutmaßlich gründet:

MBTI: Der Meyer-Briggs Type Indicator ist ein sehr häufig genutztes Tool in den USA. Es wird vor allem im beruflichen Kontext verwendet und basiert auf 4 gegensätzlichen Paaren:

  • Indikator Motivation und Antrieb: Extrovertiert vs. Introvertiert (E/I):

Hier wird zwischen kontaktfreudigen und teamorientierten Menschen und denjenigen, die eher als Einzelkämpfer agieren unterschieden. Während die Extrovertierten Energie im Außen schöpfen, verbrauchen die Introvertierten Energie in der Interaktion mit ihrer Umwelt. Sie sind häufig sensibler und wirken verschlossener.

Ebenso wie im Tiermodell (wenn auch in anderer Unterscheidung) ist also die Beziehungspflege zur Umwelt und die Art und Weise der Kommunikation und Interaktion ein wesentliches Persönlichkeitsmerkmal.

  • Indikator Aufmerksamkeit: Sensorik vs. Intuition (S/N):

Hier geht es um die Frage, wie wir Informationen aufnehmen. Der Sensoriktyp nutzt seine 5 Sinne, die Information muss also in irgendeiner Form aktuell greifbar sein. Er stützt sich auf hard facts, ist detailverliebt und exakt. Der intuitive Typ nimmt eher abstrakte Theorien oder Allgemeingültiges wahr und interpretiert den Gesamtzusammenhang. Er ist kreativ und möglichkeitenorientiert. Hier stehen sich einige wesentliche Merkmale von Eule und Delfin gegenüber.  

  • Indikator Entscheidung: Denken vs. Fühlen (T/F):

Anhand dieses Indikators unterscheiden sich Menschen, die eher subjektiv und emotional geprägt sind von denjenigen, die logisch und rational agieren. Während die einen Entscheidungen aufgrund persönlicher Wertvorstellungen, Harmonie und Konsens treffen (= Menschentyp Wal), gehen die anderen auf rein sachlicher Ebene vor und suchen nach der objektiv optimalen Lösung (= Menschentyp Eule, oder sogar Hai).

  • Indikator Lebensstil: Beurteilen vs. Wahrnehmen (J/P):

Wie schnell werden Entscheidungen getroffen und werden diese relativiert oder beibehalten? Der rasch Urteilende behält eine einmal getroffene Entscheidung systematisch und planmäßig bei, der Wahrnehmende ist länger offen für neue Eindrücke und überdenkt seine Annahmen ggf. auch noch einmal neu. Letztlich geht es bei dieser Unterscheidung um Flexibilität und Kompromissbereitschaft sowie Standhaftigkeit. Hier finden sich sowohl der Delfin, die Eule als auch der Hai wieder.

Wenn du es selbst gerne einmal ausprobieren möchtest, findest du hier eine kostenfreie Version des Tests: https://www.16personalities.com/de.

Der Nachteil dieses Tests besteht vor allem in seinen schwarz-und-weiß-Ergebnissen, die keine Nuancen zulassen. Kaum jemand ist zu 100 % Hai oder Delfin, sondern in den allermeisten Fällen tragen wir verschiedene Anteile in uns (siehe auch mein Testergebnis).

Hier soll es allerdings nicht um die wissenschaftliche Korrektheit und Aussagefähigkeit der Tests gehen, die sämtlich Vor- und Nachteile aufzuweisen haben, sondern darum, aus diesen Testergebnissen selbst Erkenntnisse abzuleiten und einen Aha-Effekt zu erzielen. Sich klarer zu werden, wer man eigentlich ist. Ich traue dir zu, das selbst mit dem nötigen Abstand zu betrachten und Abstriche dort zu machen, wo der Test nicht zutrifft.

Einen weiteren Test möchte ich dir noch mit auf den Weg geben: The Big Five. Dieser Test wird als der zuverlässigste betrachtet und wurde intensiv wissenschaftlich begleitet. Er ist wissenschaftlich betrachtet der Grundkonsens der Persönlichkeitsforschung. Auf Grundlage des Sprachgebrauchs wurden 5 Wesenszüge erarbeitet, die global anwendbar sind, unabhängig von kulturellem Hintergrund, Status etc. Im Englischen ergeben diese Worte das Akronym OCEAN: Openness, Conscientiousness, Extroversion, Agreeableness, Neuroticism. Anders als beim MBTI wird hier entlang eines Kontinuums gemessen. Häufig kritisiert wird, dass die Kategorien zwar allumfassend gewählt sind, demnach aber auch nur bedingt aussagekräftig, weil zu allgemein sind. Dieses Argument kann man allerdings widerlegen, wenn man sich etwas genauer damit befasst. Für jede der 5 Kategorien wurden Gegensatzpole bestimmt, anhand derer man sich entlang einer Skala einschätzen kann. So ergeben sich aus diesen Kategorien bereits über 3.000 mögliche Persönlichkeitsprofile (Tabelle abgewandelt aus Jens B. Asendorpf, Persönlichkeit, Was uns ausmacht und warum, 2018)


Dimension
Gegensatzpole
niedrige Werte

hohe Werte
Vgl. Tier-modell
(O) Offenheit für neue Erfahrungenphantasielos, nüchtern, engstirnigkreativ, feinfühlig, aufgeschlossenDelfin
(C) Disziplin, Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeitunüberlegt, unordentlich, chaotischumsichtig, ordentlich, beharrlichEule / Hai
(E) Neigung zur Geselligkeit und zu Optimismuspassiv, ernst, distanziertaktiv, fröhlich, geselligDelfin / Wal
(A) Verträglichkeit, Kooperationsbereit-schaftmisstrauisch, egoistisch, hartherzigarglos, hilfsbereit, gutmütigWal
(N) emotionale Labilität, Ängstlichkeit, Traurigkeitangstfrei, ausgeglichen, unbefangenängstlich, empfindlich, gehemmtDelfin

Anmerkung zum Vergleich mit dem Tiermodell: hier ist jeweils der Vergleich mit dem hohen Wert der Dimension gezogen, nur beim N ist es per Definition umgekehrt.

Einen Selbst-Test zum Big Five findest du in diesem kurzen PDF: https://fetzer.org/sites/default/files/images/stories/pdf/selfmeasures/Personality-BigFiveInventory.pdf

Aus meiner Sicht ist dieses Modell insofern etwas unglücklich, als es die einzelnen Dimensionen sehr wertend beschreibt. Die Pole erwecken den Eindruck, dass es richtige und falsche bzw. gute und schlechte Persönlichkeitseigenschaften gibt. Nicht jeder kann mit einer entsprechenden Selbsteinschätzung gut umgehen und lässt sich davon leiten, was allgemeinhin als wünschenswert betrachtet wird anstatt zu sehen, dass des einen Schwäche durchaus des anderen Stärke sein kann!

3. Warum willst du dich verändern?

Deshalb ist die dritte Voraussetzung, dir bewusst zu werden, warum du etwas an deiner Persönlichkeit verändern möchtest. Ist es dein eigener Anspruch oder der deines Umfelds (der dich im Zweifel nicht scheren muss)? Geht es nur darum, beliebter und sozial akzeptierter zu sein? Was treibt deinen Wunsch nach Veränderung wirklich an? Kannst du deine Schwächen annehmen ohne dich darauf zu versteifen?

Wenn man sich ein Ziel nur bewusst macht, der Weg dorthin aber unklar ist, führt das zu Frust und hemmt die angestrebte Veränderung. Es gibt eine Studie aus den USA, in denen Studierende sich das Ziel gesetzt haben, einen der Big Five Faktoren über einen Zeitraum von 4 Wochen zu verbessern. Diejenigen, denen das Ziel bewusst war und die regelmäßig dazu befragt wurden, haben letztlich schlechter abgeschnitten, als diejenigen, die nur ganz allgemein zu den Big Five getestet wurden. Es war zwar ein Problembewusstsein vorhanden, aber kein entsprechende Lösungsvorstellung.

4. Wie sieht dein Wegweiser aus?

Das führt mich zur vierten und letzten Voraussetzung: eine genaue Vorstellung deiner Werte und Ideale. Ohne diese fehlt sozusagen der Wegweiser. Wenn wir wissen, wo wir hinwollen, wird uns das helfen, auf dem Weg dorthin die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wertvorstellungen und auch individuelle Fähigkeiten wie soziale Kompetenz oder Kreativität werden von den Big Five beispielsweise nicht hinreichend erfasst, gehören aber genauso zur Persönlichkeit eines Menschen. Persönlichkeitsentwicklung ist deshalb nicht etwas, das von heute auf morgen passiert oder nach einer Checkliste abgehakt werden kann. Es braucht Zeit und viel Reflektion – von dir selbst, wie auch von außen. Du kannst es als einen Prozess betrachten, in dem du definierst, was dir wichtig ist, was du erreichen willst. Welche Stärken du bereits besitzt, um diese Ziele zu erreichen und woran du noch arbeiten musst, um deiner ganz persönlichen Idealvorstellung deiner Persönlichkeit näher zu kommen.

Zum Schluss möchte ich dir noch einen kleinen Gedankenanstoß von Tobi Beck mit auf den Weg geben, der bei uns zuhause zum geflügelten Wort geworden ist: Wenn du von der Arbeit nach Hause kommst, sollten deine Kinder das Gefühl haben, du warst den ganzen Tag in „freaking Disneyland“! Warum? Weil wir das Weltbild und die Wertvorstellungen unserer Kinder (abgesehen davon, dass wir ihnen unsere Gene vererbt haben) maßgeblich prägen. Wenn wir also Kinder großziehen wollen, die später einmal motivierte Erwachsene werden, die die Welt verändern, müssen wir zuallererst an uns und unserer Haltung – beispielsweise dem Arbeitsleben gegenüber – arbeiten!

Wenn es dir manchmal schwerfällt, Disneyland in deinem Alltag zu erleben, trag‘ dich gerne auf der Startseite für meine 3-tägige Neujahrsmotivation ein!

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